Gedankenwelt einer Depressiven

Ich hatte gestern Abend ein Gespräch über Depressionen. Wir wurden gefragt „Was sind Depressionen“, „Wie fühlen sie sich an“? Ja, es ist gar nicht leicht zu erklären, wie sich Depressionen wirklich anfühlen, was sie eigentlich ausmacht. Letztendlich ist es so, dass es nicht DIE Depression gibt, sondern nur die „Kim“-Depression, „Tina“-Depression etc.

Jedenfalls möchte ich heute darüber schreiben, denn die Kernaussage war:

„Du musst doch nur positiv denken & wieder aufstehen“

Ich denke, das würde jede Person sehr gerne tun, mit einer psychischen Erkrankung.
Die Person, die dies sagte, meinte es auch überhaupt nicht böse, wiederholte es auch immer und immer wieder. Er sagte sehr häufig: „Ich kann das nicht verstehen“. Richtig, viele Menschen, die noch nie eine Depression hatten, können es nicht verstehen. Deshalb möchte ich einen Einblick geben, in die

Gedankenwelt

Ich möchte gerne vorwegsagen, dass nicht jeder Tag einer Person mit einer Depression, ein depressiver Tag ist. Wir haben genauso gute Tage, können lachen, glücklich sein, jedoch ist die Intensität anders. Natürlich gibt es auch manifestierte Gedanken, die trotz guten Tagen vorhanden sind.

Wenn uns der schwarze Hund wieder besucht, dann können wir bzw. ich, denn ich kann nur von mir sprechen, nichts gegen die Wucht der negativen Gedanken machen. Die „Denkfehler“ nehme ich in meiner Depression nicht wahr.

Das beste Beispiel ist:
„Mein Sohn & mein Mann würde es ohne mich besser gehen“

Letztendlich fehlt eine Person, die alles managt, die sich um die Termine kümmert, das Kind versorgt, wenn der Papa arbeiten ist. Ja, es gibt Tage an denen kann ich nicht, bin im Krankenhaus o.a, aber wenn ich komplett weg wäre,… Im Endeffekt wird mir immer wieder gesagt, es ist ein Denkfehler. Mein schwarzer Hund sieht es jedoch als Realität an. Ich kann diesen Gedanken nicht loslassen, es ist als würde er in meinem Kopf verankert sein. Immer und immer wieder kommt er. Ich kann ihn nicht durch einen positiven Gedanken ersetzen.

Die Gedankenwelt einer depressiven Person ist verzerrt.

In der Depression nehme ich mich und meine Umwelt anders wahr. Kleine Dinge bekommen große Bedeutungen. Jedes Wort, jedes Handeln wird auf die Goldwaage gelegt, jeder Blick wird bewertet. Natürlich alles negativ. Dies ist nicht auf meine Beziehung (Partner, Freundin, Familie) bezogen, sondern hier spricht meine Verletzlichkeit, meine Depression.

Leider kann eine andere Person dagegen auch nicht viel tun.
Vor allem Laien versuchen häufig, positive Sätze zu formulieren, um mich zu stärken, aufzubauen und aus der Depression zu holen. Doch in den meisten Fällen geht dies nach hinten los. Denn der Untertitel, des Satzes kommt bei mir im negativen an. Hier ist das vier Ohren-Modell nicht von schlechter Bedeutung, alles was gesagt wird, kommt auf dem Selbstoffenbahrungs-Ohr an. Ein Beispiel: „Du hast doch keine Probleme, dir geht es gut“ – Ich höre: „Ich nehme dich nicht ernst“.

Die Interpretation von den einfachsten Situationen verändert sich.
Wenn jemand im Stress ist und nicht Hallo sagt, kommen gleich Gedanken wie: „habe ich was falsch gemacht?“, „was habe ich falsch gemacht“, „mag er/sie/es mich nicht mehr?“ Dabei kann es eine logische Erklärung haben, sodass ich nicht gesehen wurde, z.B.

Die Selbstwahrnehmung, Selbstkritik

Dies ist bei mir ein sehr großes Thema und ich glaube auch, dass sehr viele andere Personen hier zu kämpfen haben. Ich mache mich schlecht, wertlos, nutzlos, schwach.

Ich selber sehe mich nicht als liebeswerte Ehefrau, Mutter.
Ich sehe mich nicht als angehende Autorin, was ich selber von mir halte, möchte ich hier gar nicht schreiben. Es ist mir doch zu persönlich und ich möchte mich selber nicht triggern.

Ein Beispiel von mir: Ich komme wieder aus dem Krankenhaus und bin noch nicht leistungsfähig, dann denke ich: „ich bin nutzlos, den ich schaffe sowieso nichts“, „alle werden denken, ich sei faul & habe keine Lust“. Dabei weiß ich, dass dies nicht so ist. Es ist mein Denken, welches ich auf andere Personen projiziere. Ich kann es aber nicht steuern.

Wenn irgendetwas schiefläuft, wofür ich rein gar nichts kann. Dann bin ich trotzdem schuld.

Habe ich etwas vergessen? Dann kann es nur mir passieren. Ist mein Ehemann nicht gut gelaunt oder hatte eine anstrengende Schicht, dann bin ich dafür verantwortlich.

Typische Gedanken bei Menschen mit Depressionen

Können überhaupt nicht verallgemeinert werden.

In den meisten Fällen haben sie jedoch alle eine ähnliche Handlung.

  • Schuldgedanken, Schuldgefühle
  • Angst
  • Selbstkritik
  • Entfremdung
  • Selbstverurteilung

Ich habe hier jetzt sehr viel von mir privat geschrieben, jedoch habe ich in der psychiatrischen Klinik gesehen/gehört, dass viele Menschen, mit depressiven Erkrankungen, ähnliche Gedanken und Verhaltensmuster haben.

Natürlich hoffe ich, dass dir dieser Einblick ein bisschen hilft.
Ich weiß, es nicht leicht als gesunder Mensch, einen anderen zu verstehen. Wir können immer nur vor die Stirn gucken, nicht dahinter. Doch ich möchte mit diesem Beitrag vor allem sensibilisieren. Denn selbst, wenn es nicht böse gemeint ist, können Sätze verletzend sein. Bitte sei Achtsam ♥

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